Was im Geschäftsleben verhältnismässig einfach realisierbar ist, zeigt sich insbesondere bei der Planung einer Existenzgründung reichlich schwierig. Banken, Investoren und andere verlangen schliesslich einen Businessplan. Um es gleich vorweg zu nehmen: agil gründen bedeutet nicht, dass Sie alles offen lassen sollen. Es ist wichtig, eine Vision und Ziele zu entwickeln und zwar schon während der Phase der Gründungsvorbereitung.
Trotz aller Planung sollten Sie darauf gefasst sein, dass die eine oder andere geplante Sache nicht so funktionieren wird, wie Sie dachten. Aus diesem Grunde sollte Ihre Planung so viel Spielräume wie irgend möglich lassen. Konkret bedeutet dies, dass Sie beispielsweise einige Lieferanten inpetto haben sollten, die Sie vielleicht ersteinmal nur als zweitrangig betrachtet hatten. Wenn Sie einen Mietvertrag abschliessen, sollten Sie darauf achten, dass dieser Mietvertrag nicht zu langfristig ausgelegt ist - falls möglich. Eine Webseite sollte so angelegt sein, dass Sie jederzeit auch ohne technische Kenntnisse selbst Änderungen an der Seite vornehmen können (z.b. um eine neue Dienstleistung vorzustellen und eine andere herauszunehmen) und so weiter.
Wenn Sie ganz am Anfang stehen und Ihr Business erst noch erproben müssen, sollten Sie überlegen, ob Sie zu Beginn auf kleiner Flamme kochen können. Wer macht schon einen riesen Topf mit Suppe, wenn er gar nicht weiss, ob diese denn auch schmeckt? Mit anderen Worten: beschränken Sie sich in Ihrer ersten Planung auf die Dinge, die sein müssen und lassen Sie alle Dinge, die nicht zwingend notwendig sind, ersteinmal weg. Sie können diese "Nett zu haben"-dinge später noch nachziehen und dann vor allem zielgerichteter agieren. Damit reduzieren Sie Ihr Risiko und schaffen Spielräume für den stufenweisen Ausbau.
In der Finanzplanung sollten Sie stets Positionen einbinden, die Veränderungen, Ergänzungen und Erweiterungen berücksichtigen. Investitionen sollten dabei also nicht nur zum Zeitpunkt des Unternehmensstarts eingeplant werden, sondern auch in den Folgejahren. Sie können diese Investitionen ruhig einfach "Ausbauinvestitionen" nennen und noch nicht näher erläutern, wofür Sie dieses Geld investieren werden. Solange die Ausbauinvestitionen in einem vernünftigen Verhältnis zu Ihren Anfangsinvestitionen stehen, ist eine solche Vorgehensweise durchaus legitim.
Das einzige Problem des agilen Auf- und Ausbaus von Unternehmen liegt in der Finanzierung durch Banken: viele Banken wollen, dass Sie sämtliche Investitionen ganz zu Beginn einplanen. Das ist leider oft realitätsfremd und führt zu Problemen bei eventuellen Nachfinanzierungen. Nachfinanzierungen sind oft problematisch und teilweise sogar unmöglich; insbesondere im Zusammenhang mit Förderkrediten. Wenn Sie also eine Bankenfinanzierung in Angriff nehmen und davon ausgehen, dass späterhin grössere Ausbauinvestitionen notwendig sind, sollten Sie aus diesem Grunde im Businessplan für die Bank so planen, dass diese Investitionen möglichst frühzeitig erfolgen - auch wenn es in der Realität etwas anders aussehen wird. Wer dagegen eine Finanzierung durch Investoren anstrebt, bekommt mit einem stufenweisen Vorgehen üblicherweise Probleme, denn dort ist ein agiler Ausbau des Unternehmens meist gern gesehen.
Wer gut geplant hat, eine ordentliche Geschäftsidee mitbringt, der oder die richtige Person für die Gründung ist, hat ohnehin beste Chancen auf einen Gründungserfolg. Der Einsatz von agilen Methoden stellt dann das I-Tüpfelchen dar, mit dessen Hilfe Sie Ihr Unternehmen schneller und zielgerichteter zum Erfolg führen können.
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>> Seite 5 - Veränderungsprozesse agil managen
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