Existenzgründung mit "Bio" - Seite 2
Schliesslich stellt sich für viele Verbraucher die Frage, warum die Produkte im Bioladen mehr kosten, als im Discounter. Die Antwort ist verhältnismässig einfach: Produkte im Discount-Handel sind nach einer EU-Richtlinie produziert, auf deren Basis der Name "Bio" vergeben werden darf. Allerdings ist diese Richtlinie dem echten Bio-Fan kaum genug - vom eingefleischten Bio-Käufer werden Produkte erwartet, die nach höheren Qualitäts- bzw. Bio-Standards hergestellt sind.
Das macht das Geschäft in der Branche sehr beratungsintensiv: Den einen muss erklärt werden, wie sich höhere Preise in Fachgeschäften rechtfertigen - die anderen haben häufig sehr spezielle Fragen über die Zubereitung von Lebensmitteln, über Inhaltsstoffe von Gütern, über die Verwendung bestimmter Lebensmittel bei bestimmten Krankheitsbildern und vieles mehr. Viel Beratung bedeutet auch viel mehr Personal, als im Discount-Bereich. Das macht das Bio-Geschäft auf der kostenseite deutlich teurer, als eine Existenzgründung im Handel mit "normalen" Produkten.
Zu den Erfolgsfaktoren bei einer Existenzgründung mit Bio-Produkten gehört neben dem Personal auch noch die Ausbildung oder Eignung des Personals. Nicht immer kann davon ausgegangen werden, dass sich das Personal mit entsprechender Eignung einfach findet. Meist geht kein Weg daran vorbei, die Kosten für Schulungen gleich zu Beginn zu tragen. Bio-Kunden sind empfindlicher und anspruchsvoller als andere Kunden - sie kaufen oft mit hoher Kennerschaft. Wer beim Beratungs- bzw. Verkaufsgespräch keine Fachkenntnisse aufweisen kann, ist schnell aussen vor. Fachkenntnisse und vor allem ein gutes Verständnis der Vorgänge am Markt für Bio-Produkte müssen dementsprechend auch beim Gründer oder der Gründerin selbst vorhanden sein.
Neben gut ausgebildetem Personal ist im Einzelhandel auch die Ladeneinrichtung von grosser Bedeutung. Käufer mit ausgeprägtem Bewusstsein für Qualität wissen auch, welche Materialien billig sind und vor allem wissen sie, welche Materialien ungesunde Substanzen enthalten oder schlecht zu entsorgen sind. Eine einrichtung im Stil des Schlecker-Discount-Marktes käme alleine aus diesen Gründen bei Bio-Kunden nicht gut an. Ein Ladenkonzept muss in Einklang mit dem Bio-Gedanken stehen und das ist eben teurer, als eine Ladeneinrichtung, die aus beschichteten Spanplatten besteht. Diese Investitionen werden jedoch bei einem guten Konzept durch die Gewinnspannen im Einzelhandel wieder ausgeglichen.
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